Die Schützen-gemeinschaft

Der neue Vorstand (von links): Der scheidende Vorsitzende Heiko Emde (Berndorf), der Eiserne Heinrich Markus Köhler (Mengeringhausen), der Chronist Ernst Michael Schäfer (Korbach), Carl Anton Fürst zu Waldeck und Pyrmont, der Vorsitzende Reinhold Polzer (Rhoden) und der stellvertretende Vorsitzende Timo Köchling (Twiste). Foto: Heike Saure

Historische Schützengemeinschaft

Gegenseitige Unterstützung

In einem älteren Verzeichnis über die Daten der historischen Schützengesellschaften in Waldeck wird kundgetan, dass zu jener Zeit 31 Gesellschaften vom Jahre 1311 bis 1848 existent waren. Einige Gesellschaften erlöschen im 19. Jahrhundert. Es ist erfreulicherweise jedoch festzustellen, dass fast alle Gesellschaften später wiedergegründet wurden.

Die meisten uns bekannten Schützengesellschaften pflegen Kontakte untereinander, was durch gegenseitige Unterstützung zum Ausdruck kommt. 

So geschehen aus Anlass der 1100-Jahrfeier der Gemeinde Twiste im Jahre 1960. Damals beschlossen die Schützengilde 1377 Korbach, die Schützengesellschaft 1502 Mengeringhausen, die Schützengesellschaft 1567 Mühlhausen und die Schützengilde 1539 Twiste, sich zu einer nachbarlichen Zusammenarbeit bei der Durchführung der historischen Freischießen.

Dieser lose Zusammenschluss bewährte sich 10 Jahre und man war der Meinung, dies durch die Gründung der „Historischen Schützengemeinschaft Waldeck“ mit den genannten Gesellschaften weiter zu festigen.

Offizielle Gründung:
25. April 1970


Die Gemeinschaft wurde am 25 April 1970 gegründet. Man gab sich eine Satzung und gleichzeitig eine Satzung zur Verleihung der neu geschaffenen „Waldeckischen Schützenmedaille“. Der Satzung wurde hinzugefügt, dass sich weitere Schützenvereinigungen um eine Mitgliedschaft bewerben können.


Zu einem späteren Zeitpunkt kamen der Gemeinschaft noch hinzu: Die Schützengilde 1593 Freienhagen, die Schützengesellschaft 1618 Berndorf, die Schützengilde 1517 Landau, der Schützen- und Heimatverein 1722 Lütersheim und die Schützengesellschaft 1560 Rhoden. Damit zählt bis heute die Gemeinschaft neun Mitgliedsvereine.

Für Waldeck - unsere Heimat

Ziel und Zweck

Für das Brauchtum

Die Aufgabe und Ziel der „Historischen Schützengemeinschaft Waldeck“ soll die Pflege des heimatlichen Brauchtums und die Erhaltung des historischen Schützenwesens in Waldeck sein.

Die Vereine verpflichten sich zur nachbarlichen Zusammenarbeit und Unterstützung, wobei die Selbständigkeit der beteiligten Vereine erhalten bleibt.

DIE MITGLIEDSVEREINE

Die Satzung & Organisation

Die erste Satzung wurde 1975 und die Verleihungssatzung 1990 geändert. Die Satzung von 1970 wurde in dem Punkt „Vorstandsbesetzung“ fortgeschrieben und bestimmt die Delegierten der Historischen Schützengemeinschaft Waldeck wie folgt

1.      Dem Vorsitzenden und die jeweiligen Könige
2.     Dem Schutzherrn, dem jeweiligen Chef des Hauses Waldeck
3.     Dem jeweiligen Grafen Heinrich dem Eisernen der Schützengesellschaft Mengeringhausen
4.      Dem Protokollführer (Chronisten)

Den Vorsitz in den Anfangsjahren führte der jeweilige Gastgeber der Delegiertenversammlung, die alljährlich am 20. Januar bei wechselnden Gastgebern stattfindet, jedoch später der gewählte Vorsitzende.

Beschlüsse werden immer mit einfacher Mehrheit gefasst. Besondere Beschlüsse, wie die Erweiterung der Gemeinschaft, Ehrungen u. ä. bedürfen aber immer der Einstimmigkeit der anwesenden Vorstandsmitglieder und Versammelten.

Die Verleihung der „Waldeckischen Schützenmedaille“ erfolgt durch Beschluss der Delegiertenversammlung. Diese Medaille wurde bis zum 05. Juli 2025 zum 45. Male verliehen.

Es ist von Anfang an zur schönen Tradition geworden, im Herbst das sogenannte „Zwetschenkuchenessen“ bei wechselnden Gastgebern zu veranstalten.

Der Vorstand

Der derzeitige Vorstand der „Historischen Schützengemeinschaft Waldeck“ setzt sich wie folgt zusammen:

1.      Schutzherr , S. D. Carl Anton Fürst zu Waldeck und Pyrmont
2.      Graf Heinrich der Eiserne, Markus Köhler, Schützengesellschaft 1502 Mengeringhausen
3.      Vorsitzender, Reinhold Polzer, Schützengesellschaft 1560 Rhoden
4.      stellv. Vorsitzender, Timo Köchling, Schützengilde 1539 Twiste
5.      Chronist, Ernst Michael Schäfer, Schützengilde 1377 Korbach

TRAdition

Zwetschgenkuchen-Essen

In Twiste wurde das letzte Freischießen im Jahre 1848 abgehalten und danach im Jahre 1858 durch den damaligen Bürgermeister und Domänenpächter Theodor Herrmann verboten. Zwar hatte man laut Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 10.4.1858 beantragt, das Schützenfest nach 10 Jahren in der bisherigen Form wiederaufleben zu lassen.

Der Antrag wurde jedoch zur weiteren Beratung vertagt und schließlich nach mehrfacher Vertröstung durch Theodor Herrmann später ganz von der Tagesordnung gestrichen. Herrmann handelte wahrscheinlich auf Anweisung höchster waldeckischer Regierungsstellen in Arolsen, weil sich einige Twister Bürger etwas "unrühmlich" bei der Revolution im Jahre 1848 hervorgetan hatten.

Die Unruhen, die damals in ganz Deutschland herrschten, griffen auch auf das sonst so friedfertige Waldecker Land über. Am 14.4.1848 traten aufgebrachte Landleute von Goddelsheim, Immighausen, Ense und Nordenbeck aus ihren Marsch zur Residenzstadt an. Unterwegs erhielten sie noch Verstärkung in Korbach, Berndorf, Twiste und Mengeringhausen, und ein Haufen von ca. 600 - 800 mit Stöcken, Knüppeln und anderen Gegenständen bewaffneter Männer strömte nach Arolsen. 21 beteiligte Twister wurden von dem für 1848 gewählten Richter Saake angeführt, einem früheren Apotheker, der sich in Twiste als Bierbrauer und Gastwirt niedergelassen hatte. Ein Twister, der unter dem "Krakeler" Saake mitmarschiert war, musste auf Saakes Anordnung der damaligen Regentin Emma zurufen: "Fürstin, kummet moal router, wie wollt Revolution habben!" Auf die Frage der Fürstin, was das denn sei, habe er geantwortet: "Datt is ganz egal, watt datt is, im Hessisken hatt' set auk!" Einer der beteiligten Twister wurde als Aufrührer mit einem Jahr Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte betraft, die er erst nach 9 Jahren wieder zurückerhielt.

Anlässlich der 1100-Jahrfeier der Gemeinde Twiste wurde nach 102 Jahren des Verbotes die Twister Schützengilde am 11.7.1960 wiedergegründet. Bei dieser Wiedergründung standen die benachbarten Schützengesellschaften aus Mengeringhausen, Mühlhausen und Korbach Pate.

Bei der Wiedergründungsfeier der Twister Schützengilde baten Ernst, Gottfried und Wolrad Brand, die drei Urenkel des Bürgermeisters Theodor Herrmann stellvertretend für ihren Urahn feierlichst um Vergebung für das damals ausgesprochene Verbot. Nach einer symbolischen "Tracht Prügel" für die drei Urenkel, verabreicht durch den Twister Schützenbruder Walter Debes, stimmte die Versammlung der erbetenen Vergebung und einer Aufnahme in die "Twister Schützengilde 1539" zu.

Durch die Mengeringhäuser Schützenabordnung wurde eine "Mütte Korn" (Mütte = Saatwanne) an Christian Reuter, den Bürgermeister von Twiste und Schützenkönig ehrenhalber, übergeben mit der Bitte, dieses Korn zu mahlen und daraus Zwetschenkuchen zu backen. Die Vorstände und Schützenkönige der Schützengesellschaften Korbach, Mühlhausen, Mengeringhausen und Twiste sollten zu einem späteren Zeitpunkt mit diesem Kuchen verköstigt werden.

Diese "Mütte Korn" sollte an eine Landschenkung des Burgherren Philipp von Twiste an die Schützengilde Mengeringhausen im Jahre 1502 erinnern. Acht Morgen Land am "Alten Feld" und das dazugehörige Saatgetreide waren der Dank Philipps von Twiste für den heldenhaften Einsatz der Mengeringhäuser beim Überfall des Raben von Canstein.

Die Wiedergründung der Schützengilde Twiste sowie das immer enger werdende Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den vier Schützengesellschaften aus Korbach, Mühlhausen, Mengeringhausen und Twiste sollten am 12. Oktober 1970 zu einer Kafeetafel mit Zwetschenkuchen-Essen im Cafe Krauskopf in Twiste führen.

Die ursprüngliche "Mütte Korn", der von den Mengeringhäusern übergebene Weizen, war bereits lange zuvor an die Hühner des damaligen Schützenkönigs ehrenhalber, Christian Reuter, verfüttert worden. So erklärte sich 1970 der amtierende Schützenkönig und Bäckermeister Karl Krauskopf bereit, dieses Zwetschenkuchen-Essen auszurichten.Einer mündlichen Überlieferung des damaligen Vorsitzenden der Schützengilde Twiste Erich Schmidt zufolge, verkündete der Gastgeber Krauskopf am Ende des offiziellen Teils des Zwetschenkuchen-Essens: "Der Kaffee ist gespendet, den Zwetschenkuchen bezahlt bitte jeder selbst!". Diese peinliche Situation rettete Erich Schmidt indem er verkündete, dass die Schützengilde Twiste als Gastgeber selbstverständlich die gesamt Bewirtung übernähme. Seitdem treffen sich die Vorstände, Schützenkönige und Medaillenträger der in der Historischen Schützengemeinschaft Waldeck, die im gleichen Jahr gegründet wurde, verbundenen Vereine zum jährlichen Zwetschenkuchen-Essen.